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•31. März 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

So, mal eine kleine Meldung aus dem ewigen Schlaf – von der Winterruhe gleich in den Lenz weiter geglitten ;-)
Aber nein – untätig bin ich glücklicherweise nicht geblieben, denn derweil tippe ich mit einer gewissen Tapferkeit, die fast schon an Entschlossenheit grenzt, an meinem Roman. Der Arbeitstitel lautet bis lang “Die vier Liebhaber der Artemis Silber” – richtig, nicht “Archimedes und die Nautilusschale” (abgesehen von meiner auffallenden Vorliebe für griechische Figuren in Romantiteln *räusper*). Es handelt sich dabei um meinen 3. geschriebenen Roman, der 2009/2010 (wo ist die Zeit geblieben?) während meiner Zeit bei JobAct entstanden ist… und ist eigentlich noch wesentlich konfuser als der zuerst geplante Roman, der aber leider zu sehr an Substanz schwächelt und erstmal in die Überarbeitungsschleife geht.

“Artemis Silber” (so nenne ich ihn mal den AT in kurz) wird wohl mein dieses Jahr erscheinendes Werk werden. Zwar spielte ich auch mit der Idee, die Gedichte, von denen ihr in “letzter Zeit” welche lesen durftet, zuerst zu publizieren, aber bei der Arbeit an dem entsprechenden Band kam es dazu, dass ich viel am Seitenformat herumbastelte und mir auf einmal die Gedichte, so in steriler PC-Schrift nicht richtig vorkommen; gerade wegen der Menge mehr an Individualität über die Worte hinaus gebrauchen könnten! Und deswegen wird dieses Werk jetzt in anderer Form verwirklicht, aber auch ein erhebliches Mehr an Zeitaufwand fordern. Dennoch glaube ich, dass die Arbeit daran viel Spaß machen wird ^^ und das Ergebnis definitiv ein zufriedenstellenderes sein wird, als eine reine Sammlung an Gedichten. Denn da die Gedichte selbst eigentlich Sammlungen meiner Eindrücke des ersten Jahres in Bremen sind, ist es nur richtig, sie als auch solche darzustellen – und nicht in einer Form sterilen Aufeinanderfolgens. Aber somit ist dieses Projekt, AT “Niemals die Stadt”, auf 2013 verschoben.

“Artemis Silber” nun, tja, ist das eine Romanexperiment, das zumindest für mich funktioniert hat. Letztendlich der grobe Inhalt ist, dass die Titelperson Artemis Silber sich drei Menschen über’s Wochenende nach Hause einlädt. So war wenigstens der Anfangspunkt, den ich mir gesetzt hatte, aber so wie ich es genossen habe, von der Erzählperspektive von einem Kopf in den anderen zu schlüpfen, einer chaotischer als der andere ^^, haben sich doch zu meiner eigenen positiven Überraschung – denn das ist beim Schreiben von Romanen mittels der zu 90% automatischen und assoziativen Schreibtechnik immer ein Risiko – die Fäden im Laufe des Schreibens miteinander verbunden und somit glaube ich, dass mir durchaus ein Buch gelungen ist, dass nicht nur – wie “Archimedes” geworden ist – eine Odysee durch etliche Komplexe, paranoiden Visionen und dem Tabula Rasa des menschlichen Geistes ist, die aber nie zuhause ankommen wird und keine Tradition besitzt, sondern durchaus ein kleines, abgeschlossenes Universum (an Komplexen, Ängsten, Wahnsinn, Tabula Rasa, usw…. *g) geworden ist.
Und das Schöne ist, was mir auch Anliegen ist: dass der Entstehungsprozess des Buches transparent ist (die “Handlung ist was anderes ;-) ) – als ich anfing, ahnte ich genauso wenig, wie der Leser wahrscheinlich und letztendlich auch die Figuren selbst, was mit ihnen geschieht als sie sich da zu viert in der Bude zusammenfinden.

Im Nachhinein merkt man, in was für einer Zeit ich den Text geschrieben habe, denn es ist eine Lektion, die eine, die ich gelernt habe, als ich bei JobAct war:
wenn Menschen zusammenkommen, passieren Dinge
;-)

Und wenn es auch nicht in keine Aphorismensammlung der Welt eingehen wird *g – man sollte das nie vergessen ^^.

Cheerio

Brunnengräber

•18. Januar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Mit den Zeiten schminkt er sich
nun mehr noch abends;
er sich das eine des Tages
er erlaubt allen Mund Verrat

Wir krönen was wir;
im Bergschlot dampfen die Palmen

alles ist mit Brom und großem Druck

wie Butter liegt dir die Zunge im Mund;
geh jagen, wenn du es willst

So eine Ahnung

•16. Januar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Da wir nur schwer lernen
unser aller Begriff ist von Welt umringt

Wir schreiten zur Tat wir zu einem unrechten Täter
und wir bringen die Augen zu all diesen Konzilen

und so, da wir schwer nur leben,
leben wir

es ist ein Funken Begriffsstutzigkeit,
langsamer im Gewissen

Frühstückstisch

•15. Januar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Der das Salz enthauptete
ging nicht
In der Nacht grüßte ich ihr
sie wartete
Am Tisch rief ich ihn
er sang
Ich bedauere mich um mein Leben
ich nicht

Das Geräusch eines Kindes

•14. Januar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Gesunde Ernährung; toter Fisch
blanker Hass            in Elementseile
der Krug Blumen um dein Ressentiment umher

das zarte Gesicht des Wüstlings
Korallen um ein schlafendes Verlies

Bedenken am Seilspringen wegen der Wolken
Regen, der auf unsere Schale tropft
Menschenfresser

das Klavier ist betrunken vom Klee
Sträucher unter hoch geschobenen Brillen

Kaffee und Schlüsselblume
ein Armadillo deckt das Dach

Marathon in der Mittagshitze
Sollen sie wippen?
Ihre Brust fällt

die vorbeifahrenden Kinder haben das von Luzifer veränderte Gesicht
mit Kirschen klettert der Hund auf die Weiden

Wortbrecher, Weltenfresser

Die Schale des Diebes

•8. Januar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Er legte sich unter die Lampe und von da an ähnelte er in seiner Erscheinung vollkommen Trent Reznor. Ich nenne ihn sogar Trent. Ich drücke sein Knie flach; er versucht zu rülpsen. Die Streifen auf seinem Pulli drehen sich um neunzig Grad. Es ist sehr windig. Ich blinzele aus dem Fenster in den gelben Häuserhof. Ich suche Melanie, die eigentlich immer aufrecht an ihrer Küchenheke steht; nur kurz bevor sie einen Anfall bekommt hat, legt sie sich auf den Küchenboden. Wenn man sie nicht sieht, ist sie auf Toilette oder hat einen Anfall. Natürlich würde ich lieber in das Bad sehen können…

Trent sagt: “die Schweine”. Ich heuchelte stille Zuneigung. Eigentlich waren es gute und ehrliche Menschen, die sich gegen ihn verschworen hatten. Er war zum Schwein geworden, aber ich habe nicht darauf geachtet. Gesehen zwar, aber nicht direkt angekuckt, im Halbdunkel dort.

Irgendwo scheint jemand vor seinem Fenster zu beten, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich höre oder ob ich es wirklich schmecke. Gottes Psalme, die wie Fett auf der Zunge knistern. Ich wünschte, Gott würde kommen und mir Worte in den Mund legen, denn ich habe dort nie die Worte; sie kommen durch den Mund hindurch, das ist alles. Das ist alles im Leben meines Mundes.

Melanies Anfälle sind ihren eigenen Namen entsprungen. Der medizinische Code, ihr geheimer Name war ihre Schale.
Sie sagen, sie haben diese Häuser um die Schale des Diebes herum gebaut. Aber er hat sie längst verlassen, er, der sogenannte königliche Dieb.

“Ich bin ein Schwein”, sagt Trent. “Na endlich”, sage ich und klopfe ihn. Als ich die Hand wieder zu mir zurüclkgeholt habe, ist er noch da. Ich hab auf einmal das Gefühl, dass eine riesige Wespe in meinem Zimmer sitzt, wie ein Mensch. Sie wechselt den Platz. Meinen Stuhl, das Sofa, ein leerer Stuhl dazwischen. Er wechselt so oft, dass ich nie werde mit einer der Situationen abschließen können.

Über Melanies Küchenfenster klebt ein Kasten. Er hockt an der gelben Fassade wie ein Frosch auf ebener Erde. Manchmal verschiebt er sich, über ihr anderes Fenster hin. Ich frage mich, ob sie dann dort lieber wäre. Aber sie will eigentlich nichts. Sie hat ihr Verlangen verlegt.

“Wie komme ich da jetzt raus”, sagt Trent, “wie komm ich da jetzt nur raus?”.
Unten standen Tulpen. Die Schale hat der Dieb des Königs da gelassen. Sie ist keine Spur, sie ist nur, wo er lange gewartet hatte.

Ein einziges Mal habe ich Melanie beim Verlassen gesehen; sie hatte sich um 180 Grad gedreht und verlies die Küchen und ich sah ihren nackten Unterkörper. Nur von hinten. Ich habe sie nicht wieder reinkommen, ihr wahres ich gesehen. Es war ein windiger Tag und das Glas drohte aus dem Rahmen zu springen. Die Scheibe wäre einfach an der Wand explodiert. Und ein  Gesicht wäre wie ein Blatt Papier zerrissen.

“Ich sollte mich aus allen Möglichkeiten herausziehen”, sagte Trent. Er lernt zwei neue Menschen kennen, jedes mal wenn er versucht sich von einem zu lösen. “Du solltest nach San Marino, El Salvador oder so gehen”, sagte ich. Er lächelte, aber einzelne Gelenke von ihnen schienen einfach dahin zu schmelzen.  Ein saures Kirchgelée auf das Brot meines Sofas geschmiert.

Ein einfaches, ungemustertes, kugelförmiges Objekt, in Mitten des des Hofes, der Wärme keines Sommers, meines Albtraums.

Platonie

•2. Januar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Es sind nun andere Finger, die den Zugang eignen
Dein Gehirn eine Schneekugel
Das reizende Hervorspritzen deiner Knochenmarksflüssigkeit
(Knochenmarkts-Flüssigkeit)
Deine Epidermis klammert sich um einen Nukleus aus Samen
Milchig flöße er, drückte man einen Strang deiner Haare
aus (und es ist nur die Milch der Akazie)

In den Warenhäusern handeln wir mit dir
Deine Glieder sind wie reihen von Instrumenten zusammengestellt
(warum sechzig Beine, siebzig Arme von einem einzigen Gesicht?)
Ich erinnere mich an deine Augen, die durch die Gassen ziehen
(hier, und eines am anderen Ende der Stadt)

 
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